Bekenntnisse aus dem Beichtstuhl

Natürlich trinken wir nicht jeden Tag Champagner. Nur jeden zweiten …

Das war ein Scherz, kein Grund zur Aufregung. Aber: Dem Champagner gehört unser/mein Herz, soviel ist sicher. Es ist einfach auch sehr schwer, dieses göttlichste aller Getränke nicht gut zu finden. Mehr ist kaum zu sagen. Zumal das meiste ja auch schon unendlich oft gesagt wurde. Dennoch müssen wir, muss ich, hier heute noch einmal mit der „alten Leier“ anfangen und das Hohelied anstimmen. Heute geht es dabei gleich um zwei Großkaliber.

Es hat seine Vorteile, für FINE schreiben zu dürfen. Der herausragendste ist die Tatsache, dass sich FINE mit den feinen Getränken dieser Welt beschäftigt. Liegt ja auch irgendwie nahe, bei dem Namen. Nicht, dass es nicht genug andere Sachen zu entdecken gäbe – das macht durchaus sehr viel Spaß – aber diese Big-Name-Verkosterei ist schon animierend. Ich gebe es unumwunden zu. Wo sonst darf ich einen der besten Champagner der Welt verkosten. Zumindest ist es für mich einer der besten Champagner. Die Rede ist von KRUG. Genaugenommen vom 2002 KRUG Brut. Ich bringe es zu Anfang direkt auf den Punkt: dieser Champagner spielt in einer eigenen, einer anderen Liga!

Es ist nicht so, dass ich nicht schon den einen oder anderen atemberaubenden Champagner im Glas gehabt hätte. Insofern traue ich mir durchaus zu, etwas dezidierter in Sachen Qualität zu urteilen. Der 2002er Brut überzeugt auf ganzer Linie. Er hat eine aberwitzig feine Perlage, den Duft von reifem Pfirsisch, etwas Apfel und eine überwältigende Frische. Die Frische ist nahezu unbeschreiblich. Er ist lang, tief und dicht und auf eine beinahe spielerische Art groß. Dabei ist es annähernd unmöglich, die Flasche nicht sofort leer trinken zu wollen. Was sich, nebenbei bemerkt, für einen großen Schampus auch so gehört. Der unbedingte und sofortige Trinkreflex ist quasi obligatorisch. Ich würde behaupten wollen, dass dieser Champagner überhaupt erst seine wahrhaftige Fülle und Pracht und Größe in zehn Jahren zeigt. Deswegen, aber nur deswegen, gibt es auch keine Traumnote von 100 Punkten, die mir spontan so durch die Finger zuckt, sondern „lediglich“ 97. In der Hoffnung, diesen Giganten noch einmal in einigen Jahren trinken zu dürfen, um dann selbstbewusst zu verkünden: Ich habe es Euch doch gesagt! Sollte das nicht der Fall sein, ist es auch nicht schlimm, das Erlebnis war bereits jetzt gigantisch. Derartige Perfektion hat natürlich ihren Preis. Hier habe ich die Flasche gesehen.

Philipponnat_Foto Flasche_Clos des Goisses_3Und wenn wir schon einmal in der Gigantenabteilung sind, dann bleiben wir auch gleich hier. 2005 „Clos des Goisses Rosé“ von Philipponnat ist aus eben dieser Abteilung. 2013 degorgiert, bietet er eine irre Bandbreite an Eindrücken. Angefangen bei einem Hauch Vanille, über Kräuter, etwas hefiges bis hin zu – Achtung – Beichtstuhl. Die katholischen Leser wissen sicherlich sofort was ich meine. Dieser spezielle Geruch in einem Beichtstuhl. Sollte Ihnen das nicht geläufig sein, macht das aber auch nichts. Es ist ja so oder so eine rein subjektive Empfindung. Nebenbei bemerkt, bedarf es heutzutage ja auch keinen Gang mehr in den Beichtstuhl, um Absolution zu erhalten. Einfach Urbi et orbi an Ostern via TV oder Netz geschaut und das Sündenkonto ist wieder jungfräulich.
Zu diesem bemerkenswerten Spektrum an geruchlichen Eindrücken passt beim Trinken des Champagners die Länge und Tiefe, die er hat. Es ist kein oberflächliches „Rosé-Zeug“, das man eben mal so wegschlabbert. Kann man natürlich – keine Frage. Trotzdem ist es ein sehr seriöser Champagner. Einer, der locker ein Menü begleiten kann und nicht nur als Aperitif taugt. Ich würde ihn sogar zu einem Hauptgericht trinken. Irgendwas mit Wild. Rehkeule beispielsweise. Klingt komisch, ich weiß. Einfach mal probieren! Den Champagner gibt es, glaube ich, bei „Wine in Black“. Das muss man sich allerdings anmelden

Dirk Würtz Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. 22. Juni 2016
    Reply

    Vielen Dank für den Artikel!
    Bin beim Stöbern im Internet auf Ihren Blog gestoßen. In letzter Zeit lerne ich mein Interesse für Weine und Schaumweine kennen. Nach unser Weintour durch Südafrika letztes Jahr schwirrt die Idee einer weiteren Ausbildung in meinem Hinterkopf…
    Nun ja, Champagner ist die nächste Stufe, die ich erklimmen möchte, leider kein ganz günstiges Hobby, doch es lohnt sich, meiner Meinung nach, durchaus.
    Besonders interessiert mich der Herstellungsprozess, es ist faszinierend wie viele kleine Aspekte in die Herstellung eines Champagner (aber natürlich ist dies auch bei anderen Weinen so) einwirken.
    Der nächste Urlaub geht nach Frankreich und ich hoffe doch sehr, dass ich danach sagen kann, der Champagner-Quelle näher gekommen zu sein!

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